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Digitalisierung im Finanzsektor geht unterschiedlich voran

Das Internet und die digitale Revolution haben bereits einige Branchen revolutioniert oder sogar auf den Kopf gestellt. Dabei ist die Finanzbranche in den letzten Jahren verschont geblieben, sodass immer öfter die Frage auftaucht: Wann wird das Internet die Finanzbranche umkrempeln? Schon jetzt machen sich viele Fintech-Firmen warm um den Finanzierungsinstituten ihre Wertschöpfungskette oder zumindest einen Teil der Wertschöpfungskette streitig zu machen. Dabei gibt es viele Ideen und bereits laufende Projekte in privaten und gewerblichen Bereichen –  von Crowdfunding über Social Trading bis hin zu Konzepten, wie von finaboo, die klassische Filiale und Onlinewelt zusammenwachsen lassen.

Digitales Geschäftsmodell im Bereich Firmenkundenfinanzierung

Digitales Geschäftsmodell im Bereich Firmenkundenfinanzierung

 

Der Trend  wird auch von Strategieberatern bestätigt: In den nächsten Jahren werden sich einige alternative Finanzierungsquellen für Unternehmen stärker als heute etabliert sein. Sowohl Kapitalmarkt, Internet-Plattformen,  aber auch Optimierung der internen Unternehmensfinanzierung werden entsprechende Alternativen bieten. Die klassische Kreditfinanzierung wird jedoch nach wie vor zentrale Rolle bei der Finanzierung von Firmen einnehmen.

Die Banken sind aus gegebenem Anlass hin- und hergerissen zwischen Modernisierung ihrer Filialen und Investitionen in die Digitalisierung des Bankgeschäftes. Dabei wird in entsprechenden Studien festgestellt, dass die Banken weltweit unterschiedlich weit vorankommen. So hat A.T. Kearney zusammen mit dem Banken-Netzwerk Efma sogar den Digital Banking Readiness Index erstellt. Demnach sind Spitzenreiter Großbritannien, Singapur und Dänemark, Schweden und die Niederlanden. Die USA, die eigentlich neue Konzepte am schnellsten umsetzen, befinden sich auf Platz sechs. Deutschland befindet sich auf Platz 13, hinter Österreich, der Schweiz und Frankreich.

Die Unterschiede der Länder ergeben sich dadurch, dass die Banken, Kunden sowie regulatorisches Umfeld anders eingestellt sind. Zum einen spielt die Filialdichte eine Rolle, die in Deutschland nach wie vor höher als in anderen Ländern ist. Das zeigt, dass die deutschen Banken den Vertrieb über das Filialnetz für wichtiger halten als den digitalen. Während in anderen Ländern die Unterstützung von digitalen Geschäftsmodellen durch Bankenwelt bereits etabliert ist, gründete aktuell (Stand: Juni 2014) nur die Commerzbank einen Incubator – „eine Brutstätte für Finanztechnologie-Startups“. Im Incubator werden neuartige Start-Ups „aufgezogen“, die das Banking umkrempeln sollen. Die Deutsche Bank kündigte auch an in diesem Jahr in digitale Geschäftsmodelle investieren zu wollen. Die anderen Banken sind weniger experimentierfreudig – trotz des harten Wettbewerbs.

Generell betrachtet sind die meisten Banken derzeit eher darauf konzentriert, ihre konventionellen klassischen Vertriebswege in die digitalen Vertriebsmodelle zu integrieren. Die Begründung hierfür ist richtig und lautet: Die deutschen (Unternehmens)Kunden sind im Durchschnitt noch konservativ und zurückhaltend, wenn es um Finanzierung und deren Beschaffung übers Internet geht.

Diese vollkommen korrekte Begründung des Momentums hat jedoch eine andere ebenfalls plausible in Zukunft gerichtete Aussage: Die digital ungezwungene Generation wächst nach. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Generation in Unternehmen entsprechende Stellung einnimmt und das Banking übers Internet als völlig normalen Weg der Finanzierungsbeschaffung fürs Unternehmen nutzt.

Die Fintech-Firmen müssen bis dahin schaffen ihre Konzepte so zu verfeinern, dass das Banking für Kunden sicher ist, eine Erlebniswelt darstellt und vor allem Spaß macht.