+49(0)611 / 16885696 (9:00 - 17:00 Uhr)

Forderungsmanagement im Hinblick auf Factoring richtig gestalten – Teil 1

Richtig auf Forderungsverkauf / Factoring vorbereitet sein

In insgesamt vier Blog-Artikeln haben wir bisher intensiv das Thema Forderungsverbriefung behandelt und dadurch interessierten Unternehmen tiefe Einblicke in die Ausgestaltung, Struktur und Kosten des Verbriefungsprozesses gewährt.

Mit einer weiteren Beitragsreihe wollen wir nun das Forderungsmanagement als solches betrachten und den Prozess-Flow praxisorientiert darstellen. Die nachfolgenden Beiträge werden dem einem oder anderem Unternehmen helfen das Forderungsmanagement strukturierter zu betrachten, um dadurch eine Optimierung im Hinblick auf möglichen künftigen Forderungsverkauf / Factoring zu erreichen. Da es im Internet im Bereich B2B-Forderungsverkauf und Unternehmensfinanzierung keine „Gute Frage“-Portale gibt, wo ein fachkundiger Rat eingeholt werden kann, ist es unser Ziel in Blog-Beiträgen in kurzer präziser Form praktische Tipps zu geben. Somit bieten wir interessierten Unternehmen gewissermaßen Beratung an (gerne natürlich jederzeit auch tiefergehend über eine persönliche Anfrage).

Grob dargestellt ist das Forderungsmanagement wie folgt strukturiert:

Bild2

Forderungsmanagement-Prozess

Vor Rechnungsstellung
  • Vertragswesen, Zahlungsbedingungen
  • Kreditrisikomanagement
  • Auftragsabwicklung
  • Versandabwicklung
  • Fakturierung
Nach Rechnungsstellung
  • Reklamationsmanagement
  • Mahnprozess
  • Abwicklung Zahlungseingang
  • Verbuchung Zahlungseingang
  • Ausgleich OP / Kontenabschluss

Bild3

Vertragsgestaltung im Hinblick auf künftigen Forderungsverkauf Factoring

Bei der Vertragsgestaltung und der Einräumung von Zahlungsbedingungen sollte man sich unbedingt im Hinblick auf einen möglichen künftigen Forderungsverkauf mit folgenden Fragestellungen auseinandersetzen:

  • Nach welchem Landesrecht entstehen die Forderungen?
  • Wird Eigentumsvorbehalt auf Waren vereinbart?
  • Welche Zahlungsanreize werden angeboten (Skonti, Boni, Finanzierung)?
  • Welche Zahlweisen werden angeboten (Bar, Lastschrift, Akkreditiv, etc.)?
  • Wird Netting-Verfahren (Verrechnung gegenläufiger Zahlungsbewegungen) vereinbart?

 Bild4

Kreditrisikomanagement

Zuerst wollen wir an einem Beispiel die Folgen eines forderungsausfalls verdeutlichen:

Bei einer Umsatzrendite von 10% eines Unternehmens und einem Forderungsausfall von 100.000 EUR ist ein Mehrumsatz von ca. 1.000.000 EUR erforderlich, um den Ausfall zu kompensieren.

Nun kommen wir in diesem Zusammenhang auf die oben erwähnte Vertragsgestaltung, die allerdings im Hinblick auf das Kreditrisiko-Management ganz andere Bedeutung aufweist:

  • Zahlungszielvorgabe: Grundsätzlich sollte sie sich am Bonitätsrisiko und Branchenumfeld orientieren.
    • Tipp: Tendenziell sollten kürzere Zahlungsziele bei einem hohen Bonitätsrisiko eingeräumt werden.
  •  Zahlungsverfahren
    • Tipp: Bei einer kontinuierlichen Kundenbeziehung mit einem erhöhtem Bonitätsrisiko sollten Lastschriftverfahren, Teil- oder vollständige Vorauszahlungen vereinbart werden.
  • Netting-Verfahren: Sollte einer der Kunden auch Lieferant des Unternehmens sein, kann das Netting-Verfahren helfen, die Forderungspositionen um Verbindlichkeiten zu reduzieren.
  • Eigentumsvorbehalt: Diese Klausel erlaubt es den Eigentumsanspruch auf das gelieferte Produkt bis zur Begleichung der Forderung geltend zu machen.
    • Tipp: Bitte beachten, dass es Ausnahmebedingungen gibt, bei denen diese Klausel nicht mehr wirksam ist

Weitere Tipps (je nach Durchsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit – aber halt im Hinblick auf möglichen künftigen Forderungsverkauf / Factoring):

  • Sicherungsübereignungen
  • Bürgschaften
  • Verzugszinsen
  • Skonto
  • Übernahme von Factoring-Kosten oder Kreditversicherungskosten

Wie bereits erwähnt, sollte grundsätzlich die Durchsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit bestimmter Vertragsklauseln vom Unternehmen selbst beurteilt werden.

Den letzten Teil dieses Blogartikels widmen wir der Bonitätsprüfung und Risikominimierung

Unternehmen können das Kunden-Rating intern ausführen oder externe Auskünfte einholen, um das Bonitätsrisiko der Geschäftsbeziehung einzuschätzen. Es geht dabei darum potentiell risikoreiche Kunden auszusortieren oder zumindest die maximal tragbare Forderungsposition zu definieren.

Es muss allerdings zwischen den Chancen der Geschäftsbeziehung und dem Risiko abgewogen werden. Dies führt häufig zu einer Chancen / Risiko-Festsetzung des Kundenkreditlimits.

Tipp: Legen Sie doch ein Kreditrisikokapital oder -fonds fest, der den maximalen Ausfall- und Verzugsverlust quantifiziert und dem geplanten Umsatz bzw. Gewinn gegenübergestellt wird. Dies sorgt für größere Disziplin bei der Risikobeurteilung, da diese Größe ja zumindest während einer Periode eingehalten werden muss.

Eine vollkommen andere Situation ergibt sich bei der Stellung von Sicherheiten. Die üblichen Sicherheiten sind

  • Kreditversicherung
  • Eigentumsvorbehalt
  • Bankgarantien
  • Patronatserklärungen
  • Hypotheken
  • Andere als Sicherheit hinterlegte Vermögensgegenstände

Es ist dabei wichtig, die Durchsetzbarkeit und Werthaltigkeit der Sicherheiten regelmäßig zu bewerten.

Weitere Aspekte des Forderungsmangements (s. Anfang des Artikels) werden im nächsten Blog-Artikel wie immer praxisorientiert behandelt.

Melden Sie sich für Newsletter an, damit Sie keine Neuerscheinungen verpassen!

One thought on “Forderungsmanagement im Hinblick auf Factoring richtig gestalten – Teil 1

Comments are closed.