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Glossar Exportfinanzierung

Glossar_Exportfinanzierung

Fachbeiträge zum Thema Exportfinanzierung haben einen Aufschluss über verschiedene Facetten der Exportfinanzierung und ihrer Umsetzung in der Praxis gegeben. Diese Beitragsreihe schließen wir mit einem Glossar zum Thema Exportfinanzierung ab, damit alle Begriffe von unseren Kunden und Interessenten schnell und unkompliziert nachgeschlagen werden können. Die Definitionen enthalten auch notwendige praxisrelevante Informationen. Hier noch ein Verweis auf den größter Kreditversicherer Euler Hermes, wobei finaboo als Partner verschiedene Kreditversicherer hat.

Akkreditiv

Auch Letter of Credit (L/C) genannt. Eines der wichtigsten Instrumente im internationalen dokumentären Zahlungsverkehr.

Durch die Eröffnung eines Akkreditivs gibt die Bank des Importeuers (Akkreditivbank) ein förmliches Versprechen gegenüber dem Exporteur (Akkreditivbegünstigter), bei Erfüllung der Akkreditivbedingungen (in der Regel Vorlage akkreditivkonformer Dokumente) bestimmte Leistungen (z.B. Auszahlung des festgelegten Betrages oder eingehen einer Wechselverbindlichkeit) zu erbringen. Gemäß der von der internationalen Handelskammer in Paris festgelegten Einheitlichen Richtlinien für Dokumentenakkreditive (sog. „ERA“) sind Akkreditive unwiderruflich, unbestätigt und übertragbar, sofern nichts anderes vereinbart. Der Exporteur trägt in diesem Fall weiterhin das Konvertierungs- und Transferrisiko sowie das Bonitätsrisiko der eröffnenden Bank. Nur insofern die Bank des Exporteurs das Akkreditiv bestätigt, übernimmt diese eine Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Exporteur und damit das volle politishe und wirtschaftliche (Auslands-)Risiko.

In Verbindung mit Finanzkrediten werden Akkreditive häufig als Instrument zur Mobilisierung des Darlehens verwendet.

Ausfuhrdeckung

Ausfuhrgewährleistungen des Bundes (s. auch Hermes-Deckung), die für den Exporteur den Zeitraum ab Versand der Ware bzw. Beginn der Leistung bis zu Bezahlung gegen die Uneinbringlichkeit der Forderung absichert. Ausfuhrdeckungen werden in Abhängigkeit des Status des Bestellers bzw. Sicherheitengebers in Ausfuhrbürgschaften (öffentlicher Besteller) und Ausfuhrgarantien (privater Besteller) unterschieden.

Ausfuhrgewährleistungen

Oberbegriff für die Verschiedenen Formen der Hermes-Deckung, die der Bund zur Absicherung der mit Exportgeschäften und/oder ihrer Finanzierung verbundenen Risiken gegenüber dem Exporteuer bzw. der finanzierenden Bank übernimmt.

Ausländische Zulieferungen

In die Hermes-Deckung können Lieferungen und Leistungen aus Drittländern bis zu einem bestimmten Umfang einbezogen werden. Aufgrund bestimmter Abkommen können die Lieferanteile aus EU-Ländern bis zu 40%, der Schweiz bis zu 30% und aus allen übrigen Ländern bis zu 10% des Auftragswertes betragen. Bei Ausfuhrgeschäften, die mit besonders hohen Risiken verbunden sind, kann die Einbeziehung von Auslandszulieferungen eingeschränkt bzw. abgelehnt werden.

Bestellerkredit

Liefer- / Leistungsgebundenes Darlehen, das dem ausländischen Besteller zur Bezahlung der im Exportvertrag vereinbarten Lieferungen und/oder Leistungen herausgelegt wird.

Direktauszahlungsverfahren

Übliche Auszahlungsprozedere bei Besteller- / Finanzkrediten. Im Rahmen des Direktauszahlungsverfahrens wird die Darlehenssumme unmittelbar auf ein Konto des Exporteurs ausgezahlt und dem Kreditkonto des Darlehensnehmers belastet.

Erstattungsverfahren

Sofern der Exporteur z.B. aufgrund der Eilbedürftigkeit der Lieferungen und/oder Leistungen die Zahlungen für den zu kreditierenden Teil von seinem Besteller bzw. einer Bank bereits erhalten hat, kann die Darlehensvaluta nach Erfüllung aller Auszahlungsvoraussetzungen auch direkt an den Darlehensnehmer ausgezahlt werden. Bei Hermes-gedeckten Krediten bedarf diese Verfahren einer ausdrücklichen Genehmigung durch Euler Hermes.

Exporteurgarantie

In Verbindung mit Hermes-gedeckten Krediten hat der Exporteur gegenüber der finanzierenden Bank stets eine Exporteurgarantie abzugeben. Diese enthält die im Zusammenhang mit der Finanzierung von ihm zu übernehmenden Verpflichtungen.

Wesentliches Kernelement einer Exporteurgarantie ist grundsätzlich die Verpflichtung zu Zahlung des Hermes-Entgeltes. Ferner übernimmt der Exporteur bestimmte Informationspflichten hinsichtlich des Abwicklungsstandes seines Exportgeschäftes und der Bonität seines Abnehmers.

In Abhängigkeit von der Struktur und dem Risiko der begleitenden Finanzierung kann ferner die Haftung des Exporteurs für die Erfüllung bestimmter, nicht von der Finanzkreditgarantie des Bundes gedeckter Forderungen – z.B. Zinsen nach Fälligkeit der jeweiligen Rückzahlungsrate, Zinszuschläge für rückständige Rückzahlungsraten, Ersatz für Verzugsschäden oder eine Risikoprämie auf den von der Bank zu übernehmenden Selbstbehalt – vereinbart werden.

Fabrikationsrisikodeckung

Form der Hermes Deckung, die den Exporteur gegen Risiken im Zusammenhang mit einem Ausfuhrgeschäft schützt, die vor Versand der Ware bestehen. Abgesichert werden die Kosten, die dem Exporteur dadurch entstehen, dass die Fertigstellung bzw. Versand der Ware aufgrund politischer oder wirtschaftlicher Umstände unmöglich oder dem Exporteur zumindest unzumutbar ist. Fabrikationsrisikodeckungen werden je nach Status des Bestellers in Form von Fabrikationsrisikobürgschaften oder Fabrikationsrisikogarantien gewährt.

Finanzkredit

Eine der wichtigsten und häufigsten Finanzierungsformen in der mittel- und langfristigen Exportfinanzierung. Es handelt sich dabei um ein Darlehen, das von einem inländischen Kreditinstitut meist auf Veranlassung des Exporteurs der Bestellerseite zur Finanzierung eines Ausfuhrgeschäftes eingeräumt wird. Die Auszahlung des Finanzkredites erfolgt grundsätzlich an den Exporteuer und löst damit dessen Kaufpreisforderung an den ausländischen Besteller aus dem Exportvertrag ab.

Finanzkreditdeckung

Art der Hermes Deckung für gebundene Finanzkredite. Gegenstand der Deckung ist die im Darlehensvertrag vereinbarte Forderung gegen den ausländischen Schuldner auf Rückzahlung des Darlehens sowie die bis zu den vereinbarten Fälligkeiten anfallenden Zinsen. Finanzkreditdeckungen werden je nach Status des Schuldners bzw. des eventuell eingeschalteten Sicherheitengebers in Finanzkreditbürgschaft oder Finanzkreditgarantien unterschieden.

Flower Letter

Unverbindliche Form der Finanzierungsofferte, die lediglich eine grobe Darstellung des Finanzierungsmechanismus und der möglichen Finanzierungsstruktur beinhaltet.

Hermes Bürgschaft

Ausfuhrgewährleistung für Exportgeschäfte bzw. deren Finanzierung bei denen der ausländische Schuldner bzw. Siherheitengeber ein Staat, eine Gebietskörperschaft oder eine vergleichbare öffentliche Institution ist.

Hermes Deckung

Ausfuhrgewährleistungen des Bundes, die seit 1949 zu Gunsten deutscher Exporteure bzw. Banken gewährt werden.  Sie dienen zur Absicherung von Risiken, die im Zusammenhang mit Exportgeschäften bzw. ihrer Finanzierung bestehen. An dieser Stelle machen wir keine weiteren Ausführungen, denn im Internet gibt es zahlreiche Beschreibungen, die leicht gefunden werden können.

Hermes Garantie

Ausfuhr- oder Kreditgeschäft, für das die entsprechende Hermes Deckung in Form einer Hermes Garantie gewährt wird. Der ausländische Schuldner (und Garant, sofern vorhanden) ist eine insolvenzfähige Adresse (sog. privater Schuldner).

Lieferantenkredit

Im Ausfuhrvertrag enthaltene Vereinbarung über die Einräumung eines Zahlungszieles an den ausländischen Besteller durch den Exporteur. Der Lieferantenkredit war bis in die 60-er Jahre hinein das gebräuchliche Finanzierungsinstrument im Außenhandel und wurde in der Regel von einer Bank im Wege eines Exporteuer(refinanzierungs)kredites refinanziert. Gemäß Erfahrung von finaboo gibt es sowas nur im kurzfristigen Bereich, in mittel- und langfristigen Bereichen wurde diese Kreditart vom Finanzkredit (s.o.) verdrängt.

 Lokale Kosten

Aufwendungen für Lieferung und Leistungen aus dem Bestellerland, die für die Realisierung des im Exportvertrag vereinbarten Vorhabens erforderlich sind. Lokale Kosten können bis zu Höhe der An- und Zwischenzahlungen von Hermes in Deckung genommen werden.

Mitversicherung

Absicherung eines Exportgeschäftes mit Tranchen aus mehreren Ländern. Voraussetzung ist, dass der Hauptlieferant einen 100%-gen Zahlungsanspruch gegenüber dem ausländischen Käufer hat, die Zahlungsrisiken auf sog. „if-and-when“ Klausel auf den Unterlieferanten durchgestellt werden und ein entsprechendes Abkommen zwischen den betroffenen Exportkreditversicherungsagenturen besteht. Bei der Mitversicherung bestehen für jeden Teil getrennte Deckungen, die Kreditversicherer stimmen sich aber bezüglich der Deckungsmodalitäten untereinander ab. Der Kreditversicherer des Hauptlieferanten vertritt im Außenverhältnis die Interessen der beteiligten Kreditversicherer.

OECD-Konsensus

„Übereinkommen über Leilinien für öffentlich unterstützte Exportkredite“. Hierin verpflichten sich Teilnehmer auf (OECD-Länder) auf Geschäfte, die durch staatliche Gewährleistungen oder Finanzierungshilfen unterstützt werden und eine Kreditlaufzeit von mehr als 2 Jahren aufweisen, bestimmte Mindeststandards anzuwenden. Der OECD-Konsensus enthält in seinem Kern Regelungen über die Höhe der zu leistenden An- und Zwischenzahlungen, die Höchstkreditlaufzeiten und die Mindestverzinsung.

Progress Payment

Auszahlung eines Darlehens nach innerbetrieblichem Produktionsfortschritt. Die angefallenen Herstellungskosten des Exporteurs werden damit in Form von Abschlagszahlungen mehr oder weniger zeitnah beglichen.

Projektfinanzierung

Kreditgewährung für ein Investitionsvorhaben (Projekt), das als sich selbst tragende Wirtschaftseinheit konzipiert ist und in der Regel von einer rechtlich selbständigen und eigens zu diesem Zweck gegründeten Projektgesellschaft (Special Purpose Company) realisiert und betrieben wird. Die Kreditvergabe basiert entscheidend auf der Erwartung, dass das Projekt einen Cash Flow generiert, der mindestens zur Deckung der Betriebskosten und des Schuldendienstes ausreicht. Ein Rückgriff auf Projektträger (=Sponsoren) oder eventuelle Garanten ist nur in betragsmäßig begrenztem Ausmaß möglich. Projektfinanzierung bezeichnet man daher auch als Limited-Recourse-Finanzierung. Sollte ein solcher Rückgriff gänzlich ausgeschlossen sein, spricht man von Non-Recourse-Finanzierung.

Rückversicherung

Absicherungsform für Ausfuhrgeschäfte mit Tranchen aus mehreren Ländern. Diese können unter der Federführung eines einzigen Exportkreditversicherers abgesichert werden, sofern ein entsprechendes Abkommen besteht. Voraussetzung ist, dass zwischen Unterlieferanten und Käufer keine direkten Vertragsbeziehungen bestehen und die Zahlungsrisiken nicht durch eine „if-and-when“-Klausel auf den Unterlieferanten durchgestellt werden. Der Hauptlieferant stellt lediglich einen Deckungsantrag bei seinem Kreditversicherer, der alle weiteren Abstimmungen mit dem Kreditversicherer des Unterlieferanten und die gesamte Abwicklung des Geschäftes übernimmt.

Starting Point

Bezeichnet bei ECA-gedeckten Krediten den Beginn der Kreditlaufzeit. Je nach Art des Ausfuhrgeschäftes akzeptieren Kreditversicherer den Zeitpunkt der mittleren gewogenen Lieferung, den Zeitpunkt der letzten wesentlichen Lieferung oder den Zeitpunkt der Betriebsbereitschaft als Starting Point. Die erste Rückzahlungsrate ist 6 Monate nach dem Starting Point fällig. Im Kreditvertrag wird für den Tilgungsbeginn zusätzlich ein Spätesttermin festgesetzt, der sich an dem erwarteten Starting Point orientiert.

Selbstbehalt

Bei einer Hermes Deckung ist der Deckungsnehmer im Schadensfall mit einer bestimmten Quote, dem sog. Selbstbehalt am entstandenen Ausfall beteiligt. Dieser beträgt 5% der politischen und in Abhängigkeit von der Art der Deckung zwischen 5% und 15% der wirtschaftlichen Risiken.

Verpflichtungserklärung

Für die Gewährung einer Finanzkreditdeckung setzt Euler Hermes die Abgabe einer Verpflichtungserklärung durch Exporteur voraus. Diese beinhaltet u.a. die Verpflichtung des Exporteurs, den Bund unter bestimmten Umständen von einer Entschädigungspflicht gegenüber der Bank aus der Finanzkreditdeckung freizustellen sowie bestimmte Informationspflichten hinsichtlich des Liefergeschäftes und seiner Abwicklung. Das Erfordernis der Verpflichtungserklärung basiert auf dem Zusammenhang zwischen dem Ausfuhrgeschäft und dem Finanzkredit. Hermes verlangt daher die Verpflichtungserklärung aus dann, wenn der Exporteur selbst eine Ausfuhr- und Fabrikationsrisikodeckung beantragt.