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Teil 3 der praxisorientierten Übersicht über Forderungsverbriefung (Asset Securitisation) in Form von forderungsbesicherten Wertpapieren (Asset Backed Securities)

Strukturen und Funktionen der beteiligten Parteien

Im dritten Teil der Abhandlung der Forderungsverbriefung (s. Teil 1 hier und Teil 2 hier) werden nun die Strukturen und Funktionen der beteiligten Parteien beschrieben.

Forderungsverbriefung

Strukturformen der Asset Securitisation (Forderungsverbriefung)

Eine Zweckgesellschaft vergibt Commercial Papers und verwendet die Erlöse zum Kauf von Forderungen. Dabei sollten folgende Formen unterschieden werden:

  • Single Seller Vehicle Transaktion: Die Zweckgesellschaft (SPV) kauft Forderungen von einem Unternehmen an. Der Nutzer von finaboo hat somit über das Single Seller Vehicle direkten Marktzugang. Verbunden damit sind eine höhere Außenwirkung, aber auch vergleichsweise höhere Kosten. Daher empfiehlt finaboo bei dieser Struktur ein hohes Forderungsvolumen
  • Multi Seller Vehicle Transaktion: Die Zweckgesellschaft (SPV) kauft Forderungen mehrerer Unternehmen an (was den Regelfall bei den über finaboo laufenden Transaktionen darstellt). Der Nutzer von finaboo hat damit einen indirekten Marktzugang. Eine Außenwirkung ist möglich, wenn gewünscht. Diese Struktur bietet sich schon bei kleineren Forderungsvolumina an und verursacht geringere Kosten.

 

Beteiligte Parteien bei Multi Seller Vehicle Struktur

  • Forderungsverkäufer / Originator: Ein Nutzer von finaboo, der Inhaber von Forderungen ist und diese im Rahmen eines regresslosen Forderungsverkaufs (True Sale) an das SPV veräußert. Dabei werden alle Rechte und Pflichten aus den Forderungen bzw. aus den den Forderungen innewohnenden Sicherheiten an den Käufer abgetreten
  • Treuhänder: Die Verwahrung der Forderungen erfolgt durch einen unabhängigen Treuhänder. Dieser nimmt die als Sicherheit dienende Finanzaktiva für die Gläubiger der asset-backed Wertpapiere in Besitz und überwacht in dieser Funktion u.a.
    • den Kauf und die Verbriefung der Forderungen
    • die Durchsetzung der vertraglichen Vereinbarungen zwischen Forderungsverkäufer und SPV
    • die vom Servicer übernommenen Aufgaben
    • Reinvestition überschüssiger Gelder
    • Erstellung regelmäßiger Berichte und Dokumentationen
  • Transaction Manager
    • Annahme des Verkaufsangebots des Forderungsverkäufers im Namen der Zweckgesellschaft / SPV
    • Überprüfung der Einhaltung der Verkaufskriterien
    • Möglichkeit der Ersetzung des Treuhänders bei nicht ordnungsmäßiger Aufgabenerfüllung
    • Berechnung von Cash-Flow Analysen und Durchführung von Stress Tests
  • Servicer: Verwaltung und Einziehung der abgetretenen Forderungen wie auch das Mahnwesen, Kreditüberwachung und Verwertung von Sicherheiten verbleiben beim Verkäufer, der diese Aufgaben im Rahmen eines Geschäftsbesorgungsvertrages für den Käufer (SPV) wahrnimmt. Weitere Aufgaben des Servicers:
    • Weiterleitung des cash in flows aus dem veräußerten Portfolio an das SPV
    • Erstellung regelmäßiger Berichte über die Entwicklung des Forderungsportfolios (Tilgungen, Rückstände, Ausfälle, Neuzugänge)
  • Zweckgesellschaft / SPV: Dies ist der Käufer der Forderungspools. Hierbei handelt es sich um ein Unternehmen, das weder mit dem Forderungsverkäufer noch der strukturierenden Bank verbunden ist und das i.d.R. aus steuerlichen Gründen seinen Sitz außerhalb Deutschlands hat. Eigentümer des SPV ist i.d.R. ein gemeinnütziger Trust nach angelsächsischem Vorbild. Nach Abtretung durch den Forderungsverkäufer wird die Zweckgesellschaft Eigentümer der Forderungen. Die Finanzmittel für den Kauf der Forderungen beschafft sich das SPV durch die Ausgabe von Wertpapieren am Geld- oder Kapitalmarkt oder die Aufnahme von Krediten.
  • Arrangierende Bank – Partner von finaboo: Strukturiert die Transaktion, koordiniert den Ratingprozess, bringt die Beteiligten zusammen und ist zum Teil in die Abwicklung eingeschaltet.
  • CP-Händler: Wertpapierhäuser, die den Auftrag haben, ABCP (asset backed commercial papers) an Investoren zu verkaufen.
  • Banken als „Liquidity Provider“: Stellen dem SPV Liquidität in Form einer unterjährigen Back-up-Linie zur Verfügung
  • Forderungsveräußerer, Banken, Versicherungen oder sonstige Dritte als „Credit Enhancement Provider“: Zur Absicherung von möglichen Ausfällen im Portfolio (und zur Erlangung eines bestmöglichen Ratings des SPV) werden kreditverstärkende Instrumente eingesetzt
  • Ratingagenturen: Die effiziente Finanzierung ist am besten dadurch gewährleistet, wenn die CP ein Rating vorweisen können. Ratingagenturen formulieren grundsätzliche Regeln für den Rahmen und für jede einzelne Transaktion
  • Desweiteren gibt es noch
    • Swap-Kontrahenten
    • Emissions- und Zahlstellen
    • Anwälte
    • Wirtschaftsprüfer und Steuerberater

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